Wir sind zur Zeit zu dritt und zwar:
Mogli (Gesang und Gitarre)
Anke (Geige, Posaune, Bratsche, Gesang)
Hannah (Schlagwerk, Gesang)
Nein, wenn wir nicht mit Früchte des Zorns spielen, dann schlafen wir ... Spaß beiseite: Es gibt eine Menge anderer Projekte, in denen wir aktiv sind, wie z. B.: unsere Wohnzusammenhänge, Beziehungen, Freundschaften oder Politgruppen.
Außerdem machen wir auch noch mit anderen Menschen Musik: Anke in diversen Einzelprojekten und Hannah bei Percussonia.
Findet ihr es angesichts der gesellschaftlichen Realität überhaupt sinnvoll, Musik zu machen?Musik allein hat noch keine Gesellschafts"ordnung" umgeworfen. Aber beim Musikhören packen Dich Gefühle, Du spürst, dass Du lebst.
Über die Musik lassen sich Inhalte erzählen; es finden sich Leute zusammen, denen diese was sagen und die sich darüber austauschen. Sie fördert die Kommunikation und das Gefühl und Wissen, nicht allein zu sein.
Unsere Lieder sind die Verknüpfung von Texten, in denen wir klar benennen wollen, was uns quält, und einer Musik, die Dich emotional berührt. Unsere Musik als Früchte des Zorns zeigt uns mit unserer Trauer und unserer Wut angesichts des alltäglich Gesehenen und Erlebten wie zum Beispiel rassistische oder sexistische Übergriffe. Durch viele Mails und Briefe wissen wir, dass es viele andere Menschen gibt, die sich in unseren Texten und der Musik wiederfinden. Wir fühlen uns voneinander verstanden. Das ist der erste Schritt.
Nun kommt's drauf an, was mensch damit macht. Trauer und Wut - und die Benennung derselben - können Impulse geben, etwas zu verändern. Es geht nicht darum, den Frieden in Dir selbst in einer katastrophalen Umwelt zu finden, sondern die Ursachen für das Elend herauszukristallisieren, um sie zu bekämpfen und zu "beheben"... Leider gibt's dafür auch kein Patentrezept.
Für uns ist auch wichtig, herauszufinden, was wir eigentlich wollen, und was uns das Leben lebenswert macht.
Ihr habt ja bisher all eure Tonträger selber rausgebracht und trotzdem steht drauf "Ab dafür! Records". Was ist Ab dafür! Records?Ab dafür! Records ist kein Label im eigentlichen Sinne, sondern ein Netzwerk von befreundeten Bands und Projekten. Wir geben unsere CDs untereinander weiter und verkaufen CDs von den anderen Projekten bei Konzerten. Mitglieder bis jetzt sind z. B. Milch und Blut, Ersatzkapelle, die Guten, Quetschenpaua, New Yok, Revolte Springen. Das sind alles Bands, die ihre Musik (auch) als politisches Ausdrucksmedium von und für linke(n) Subkulturen sehen. Das alles soll nicht der möglichst guten Vermarktung im kapitalistischen (oder sonst wie Geld scheffeln wollenden) Sinne dienen, sondern zu einer möglichst weiten Verbreitung der Musik und ihrer Inhalte zu fairen Preisen führen.
Diese Art von gegenseitiger Unterstützung ist für uns wesentlich wertvoller/ angenehmer als ein Label, oder sonst wer, der uns irgendwie vorschreiben möchte, was für Musik wir machen sollen. Wir entscheiden selbst, für wen und zu welchen Konditionen wir spielen. Wir machen die gesamte Produktion selbst: Wir entscheiden, wie die Stücke aufgenommen, gemischt und gemastert werden, machen das Layout selbst und suchen uns Druckerei und Presswerk aus.
Als Früchte des Zorns ist uns übrigens auch wichtig, alle Stücke kostenlos auf unserer Internetseite anzubieten. No copie kills music - capitalism kills music!
Wie entsteht denn bei euch ein Song und wer schreibt die Texte. Macht das eineR alleine oder macht ihr das immer zusammen? Gibt es zuerst den Text und dann wird die Musik dazu gemacht, oder ist das bei euch umgekehrt?Meistens schreibt Mogli einen Liedtext auf und bringt den als fertig geschriebenes Lied mit Melodie oder als Fragment mit zur Probe. Entweder finden Anke und Hannah es sofort gut oder es wird erstmal darüber diskutiert und verändert oder verworfen.
Wenn dann alle einigermaßen zufrieden sind, setzen wir uns an die musikalische Umsetzung, die stärker von Anke und Hannah getragen wird. Dabei schreiben wir keine Partitur, sondern versuchen, über Improvisationen und gegenseitige Vorschläge zu einer musikalischen Form zu finden, die die Texte bestmöglich unterstützt und die ihren Teil zu der Fühlbarkeit der Musik beiträgt.
Erzählt mal ein bisschen über die Geschichte von Früchte des Zorns. Wann habt ihr euch gegründet, was habt ihr schon veröffentlicht, gab es schon Besetzungswechsel ... ?Gegründet haben wir uns Anfang 1999 als Duo (Mogli und Anke) vor dem Haupteingang des Altonaer Bahnhofs. Im folgenden Sommer versuchten wir uns ein bisschen in Kneipen und in der U-Bahn und bekamen Kontakt zur Rotzfrechen Asphalt-Kultur (RAK). Im Oktober 99 hatten wir unser erstes Konzert in der Roten Flora in Hamburg, und Ende 2000 haben wir mit einfachsten Mitteln unsere erste CD (In meinem Kopf ist eine Bombe) aufgenommen.
Es kam zwischen uns aber immer wieder zu Konflikten, die sich nicht klären ließen. Am Ende der ersten Aufnahme waren wir völlig zerstritten, und wir versuchten, uns möglichst aus dem Weg zu gehen.
Im Februar 2001 gründeten wir dann zusammen mit anderen Menschen das Kleinkunstpunk-Projekt "Revolte Springen". Die gemeinsame "Arbeit" bei der Revolte veränderte unseren Umgang miteinander. Wir näherten uns wieder einander an und entschieden uns dafür, das Projekt "Früchte des Zorns" mit einer letzten CD "zu Grabe zu tragen".
Wir fragten Hannah, die wir bei Revolte Springen näher kennengelernt hatten, ob sie nicht Lust hätte, bei den Aufnahmen Schlagzeug zu spielen. Sie hatte Lust, und seitdem sind wir zu dritt.
Im Februar 2003 brachten wir zusammen die CD "zwischen leben und überleben" raus. Bei den Aufnahmen hatten wir soviel Spaß miteinander, dass daraus ein Neuanfang wurde. Seitdem waren wir ein paar mal auf Tour in der Bundesrepublik. Wir haben viel Zuspruch erhalten und wurden meist warm und freundlich empfangen.
Im März 2005 haben wir die Single "Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust" veröffentlicht. Darauf folgte am 1. Mai 2007 das Album "Wie Antennen in den Himmel."
Unsere Bandgeschichte ist von größeren Pausenzeiten geprägt. Einige von uns waren immer mal wieder längere Zeit auf Reisen oder von anderen Projekten so sehr eingenommen, dass da wenig Zeit für anderes war. Aber wir sehen unserer Zukunft positiv entgegen - wir haben uns in den letzten Jahren viel weiterentwickelt; musikalisch sowie als Kollektiv. Das will heißen, wir haben uns echt lieben gelernt und haben total Lust darauf, was zusammen zu machen. Im Herbst 2007 werden wir wieder auf Tour gehen und wir sind hungrig und gespannt auf die Zukunft.
[Stand Frühling 2007]